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ARTICLES > Umsonst, aber nicht billig


Technology: (Fast) kostenloses Internet in New York
Umsonst, aber nicht billig
||| Oliver Weiss

So hatte ich es mir nicht vorgestellt: Internet in New York kostet nichts, rein gar nichts! - Also: fast nicht, kaum etwas, nicht viel, ein bißchen schon, eine ganze Menge, wenn man es genau nimmt; jedenfalls: mehr als man meint, wenn man von kostenlosen Internet-Zugängen hört. So hatte ich es mir nicht vorgestellt: Gar nicht so einfach, überhaupt ins Internet zu kommen. - Der Stand der Dinge in New York City.
Article on Free Internet Access in New York City: I have put a number of free dial-up web services for da city under the test.

 

D

 

Aus: LEGAmedia, meinem Online-Magazine für Juristen und Unternehmer (August 2001).

>INTERNET: Wie man DFÜ einrichtet.

>ALLEIN IN NEW YORK: Mein Laptop wollte nicht mehr.

>WWWASIST WAS? Kleines Internet-Glossar.

er große Hype ist zwar vorbei, weil sich die Geschäfts-modelle nicht rentiert haben. Einige wenige Anbieter sind übriggeblieben, die kostenlosen Internet-Zugang anbieten.

Na ja, ganz kostenlos ist es nicht. Zahlen muß man natürlich in jedem Fall den Telefonanbieter, bei dem man gerade ist, etwa Verizon oder AT&T, und dort gelten die jeweiligen Tarife.

Für Ortsgespräche ist das allerdings tausendmal billiger als in Deutschland, wo man sich klassischerweise über einen Provider wie T-Online, AOL, Arcor oder CompuServe einwählt und für jede Minute zahlen muß. (Das ist auch der Grund, warum es in en USA keine Dial-up-Services wie in Deutschland gibt, sondern nur kostenlose oder Pauschalpreisanbieter.)

Sehr billig kommt man in den USA zum Beispiel dann weg, wenn man sich am späten Abend einwählt und die Verbindung tagelang laufen läßt: Diese Connection kostet bei den meisten Anbietern genau eine Einheit, also z.B. 10 Cents.

Allerdings hat man dabei die Rechnung ohne die Anbieter des kostenlosen Internet-Zugangs gemacht. Denn die protokollieren natürlich genau mit, wie lange man online ist. Bei den meisten Anbietern hat man ein Limit von 40 Stunden pro Kalendermonat frei, danach wird der Zugang gesperrt. Einen neuen Account unter einem neuen Namen einrichten hilft übrigens nicht, da die Telefonnummer mitgetrackt wird.

 

There's no such thing as a free lunch

Wie verdienen die Anbieter des kostenloser Internet-Dial-ups Geld? Die meisten natürlich über Werbung. Oder auch nicht: Denn während vor zwei Jahren die Anbieter aus dem Boden schossen (auch Yahoo bot z.B. einen solchen Service an), stellten die meisten Ende letzten Jahres ihre Dienste ein - bzw. auf ein kostenpflichtiges Modell um.

NetZero ist der momentan zuverlässigste Anbieter von kostenlosen Internet-Zugängen in den USA und in Kanada. Allerdings mit einer eigens zu installierenden Software, die sicherstellt, daß immer ein Werbebanner eingeblendet wird. Die Einwahl dauert recht lange und ist einigermaßen nervtötend in der Handhabung. Und ressourcenfressend: Nach der Benutzung kann man den Rechner oft nicht mehr richtig verwenden, ohne neu zu starten.

Einige wenige Anbieter sind noch übriggeblieben. Die bekanntesten darunter sind NoCharge und MetConnect (die mittlerweile fast nicht mehr erreichbar sind, dafür aber ohne Werbung arbeiten), NY4Free (nur für NYC, geht oft erst nach vielen Dutzenden Einwahlversuchen und am besten tief in der Nacht, Juno (mit vorab zu installierender Software und Werbebannern), und NetZero (für USA und Kanada): der zuverlässigste Anbieter.

Nun sind solche Internet-Zugänge ja nicht nur fürs Surfen interessant, sondern auch für E-Mails. Was in Deutschland vor vielen Jahren aus der Mode gekommen ist, ist bei diesen Anbietern allerdings gang und gäbe: Mit allen kann man natürlich E-Mails z.B. aus Outlook oder Netscape Messanger abrufen. Mit den meisten ist aber der Versand von anderen Mails als den von den Anbietern vorgesehene proprietäre wie abc@juno.com oder xyz@netzero.com nicht möglich. So unglaublich das klingt: Aber das heißt im Klartext, daß man, wenn man z.B. mit NoCharge eingewählt ist, keine E-Mails mehr versenden kann. (Die Anbieter argumentieren übrigens damit, daß sie schlechte Erfahrungen mit Spammern gemacht hätten.)

Nur zwei Anbieter für New York City bieten diese Möglichkeit noch an: FreeNYLink und NY4Free. Sie unterstützen das, wie es heißt: "SMTP-Protokoll" (das ist das Gegenteil des POP-Protokolls, das den Versand von E-Mails erlaubt).

 

Mailing is a tender trap

Die meisten der in der untenstehenden Tabelle genannten kostenlosen Dial-up-Serviceanbieter sind oftmals kaum zu erreichen und die meiste Zeit belegt. Grundsätzlich ist natürlich die Einwahl in der Früh oder am Abend am erfolgversprechendsten.

New York City Dial-up Service Providers 
(Stand: August 2001)

Anbieter Nummer 
(212-)1)
Software?2) Mail 
senden?3)
Wer-
bung?
Website
FreeNYLink 9370028 nein ja  nein  freenylink.com
NoCharge 3001111 nein nein  nein  nocharge.com
NY4Free 344-0209 ja (zur Installation) ja  nein  ny4free.com
Juno 461-1201 ja nein  ja  juno.com
MetConnect 359200 nein nein  nein  metconnect.com
WorldShare 2034268 nein nein  nein  worldshare.net
NetZero 999-9999 ja nein  ja  netzero.com
1) Nur Beispiel, meist viele weitere Nummern verfügbar
2) Manche Anbieter können nur dann eingerichtet werden, wenn eine Software installiert werden; danach kann man seinen üblichen DFÜ-Netzwerk verwenden. Juno jedoch arbeitet mit einem eigenen Browser und NetZero verdeckt einen Teil des Browsers mit einem Werbebanner und poppt andauern ein Fenster mit Werbung hoch.
3) Die meisten Anbieter erlauben zwar das Versenden von E-Mail (POP-Protokoll), verbieten aber das Wegschicken (SMTP-Protokoll).

Wenn gar nicht geht und man unbedingt seine Mails verschicken muß, bleibt immer noch der internationale Anruf z.B. nach München mit Arcor oder Germany.net (z.B. mit 011-49-89-71940811) - wohlgemerkt ein teurer Auslandsanruf, der beim Versand von einigen Megabyte an Dateien schnell mal ein paar Mark kosten kann und daher wirklich nur als Notbehelf in Frage kommt.

Juno arbeitet mit einer proprietären Arbeitsumgebung, die erst installiert werden muß. Auch dieser Anbieter arbeitet mit Werbebannern. Wenn man einmal 40 Stunden online überschritten hat, kommt man praktisch nicht mehr rein, auch nicht in Folgemonaten.

Übrigens: Viele Anbieter bieten auch Zugangsnummern für andere Städte oder Regionen als New York City an. Checken Sie am besten die Guidelines auf den jeweiligen Websites.

Der große Hype rentiert sich unterm Strich nur dann, wenn man ganz selten ins Internet muß. Für alle anderen Fälle zahlen sich die kommerziellen Anbieter wie Microsoft (www.msn.com), AT&T (www.att.com) oder Earthlink aus (www.earthlink.net). Earthlink ist derzeit der billigste Anbieter von diesen dreien (ca. 10 Dollar pro Monat statt 20); die Software auf CD-ROM kann auf deutschen Betriebssystemen jedoch nicht installiert werden.

Auf den Angeboten im Netz werden Sie kaum Information darüber finden, ob das SMTP-Protokoll unterstützt wird - fragen Sie daher unbedingt vor der Buchung beim Anbieter nach. Und lesen Sie auch das Kleingedruckte, insbesondere was Laufzeiten, Fristen und Kündigungsmodalitäten angeht. [2001]

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