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ARTICLES > FAQ zur Online-Bewerbung


Career: Jobsuche online
FAQ zur Online-Bewerbung
||| Oliver Weiss

Wir füllt man Online-Bewerbungen
richtig aus? Eine kurze Anleitung.
Online Applications: A quick and dirty FAQ
on how to file job applications online.

 

 

Aus: LEGAmedia, meinem Online-Magazine für Juristen und Unternehmer (2004).

>PRIVATE COLLEGE: Meine Website für das Globe Business College Munich.

>GRUNDLAGEN: Wie funktioniert eigentlich ein Computer?

>WWWASIST WAS? Kleines Internet-Glossar.

D

ie traditionelle Bewerbung kommt mehr und mehr aus der Mode. Vorbei die Zeiten, als man für die Jobsuche noch kleinlaut einräumen mußte, daß man die ersten Jahre in der popeligen Grundschule in Borken bei Paderborn verbracht hat und es die Eltern bedauerlicherweise zu nicht mehr als Staubsaugervertreter und Kassiererinnenaushilfe bei Tengelmann gebracht haben.

Angesagt sind stattdessen schnittige Online-Bewerbungen per Internet, die den Fokus nach amerikanischem Vorbild auf wirklich berufsbildende Erfahrungen und Kenntnisse setzen.

Aber Vorsicht: auch hier – besser: gerade hier – gibt es eine Reihe "traditioneller" Grundregeln zu beherzigen. In der folgenden Übersicht finden Sie einige wichtige Punkte, die sich in der Praxis bewährt haben.

 

Wir füllt man Online-Bewerbungen richtig aus?

> E-Mail-Adresse
> Website
> Portraitfoto
> Lebenslauf
> Sonstige Kenntnisse
> Persönliche Interessen / Hobbies
> Anschreiben zur Bewerbung

 

1

E-Mail-Adresse
Vorsicht bei webbasierten E-Mail-Adressen: Manche Anbieter von Online-Bewerbungsdiensten zieren sich bei E-Mail-Adressen von Webmail-Anbietern wie hotmail.com, yahoo.com oder gmx.de, da der meiste Spam mit solchen anonymen Adressen verschickt wird.

2

Website
Geben Sie nur dann Ihre Website-Adresse an, wenn sie "was hermacht" (keine Segel- oder Familien-Websites) - sonst lieber bleibenlassen!

3

Portraitfoto
In der Regel bekommen Sie Gelegenheit, Ihr Foto hochzuladen, damit sich die Personalentscheider ein Bild von Ihnen machen können. Auch wenn die es nie zugeben würden: Von einem guten Foto läßt sich jeder beeindrucken. Von einem schlechten allerdings auch. Achten Sie daher unbedingt auf folgende Aspekte:
Aktuelles Foto, kein Jugendbild.
Kein Bild aus dem Automaten – gehen Sie zu einem professionellen Fotografen oder schießen Sie 50 Bilder per Selbstauslöser mit Ihrer Digitalkamera und wählen das beste aus.
Lieber ein gutes Schwarzweißbild als ein lausiges Farbfoto (Farbechtheit).
Seriöses Foto, am besten im Anzug oder Businesskleid. Keine Strandfotos!
Portraitausschnitt, keine Ganzkörperaufnahmen. Keine erkennbaren Hintergründe.
Krawatte oder nicht hängt vom Auftraggeber ab. Im Zweifelsfall: ja.
Versuchen Sie, weder grimmig noch freundlich-naiv auszusehen, sondern offen, interessiert und natürlich.
Mögliche Dateiformate (Hochformat, Größe ca. 250 x 350 Pixel; kleiner als 300 KB):
 
JPEG: das beste Format hierfür; mittlerer Kompressionsgrad ("mittlere Qualität", z.B. Stufe 7 bei Photoshop, Stufe 30 bei PaintshopPro)
 
GIF: eher schlecht geeignet, weil mit nur 256 Farben nicht gut für Farbverläufe geeignet
 
PNG: gutes Format (wenn auch ungewöhnlich)
 
TIF: auch gutes Format (speichern Sie es zur Reduzierung der Dateigröße mit der verlustfreien Option "LZW-komprimiert")
 
BMP: eher schlechtes Format, weil die Dateien schnell furchtbar groß werden

4

Lebenslauf
Lebensläufe sind eine heikle Sache: Einerseits will man das Unternehmen für sich einnehmen – dazu muß man natürlich aufzählen, was man alles so gemacht hat. Andererseits haben gerade Berufsanfänger, wenn sie ehrlich sind, eigentlich nicht das Gefühl, überhaupt irgend etwas zu können. Was also schreibt man? Und wie? Eine Gratwanderung, für die Sie sich viel Zeit nehmen sollten. Hier einige Anregungen dazu:
AUSWAHL
Erwähnen Sie alles, was für die ausgeschrieben Stelle wichtig oder interessant ist. Und lassen Sie alles weg, was mit Ihrer Jobsuche nichts zu tun hat. Wichtig ist vor allem, daß Sie Ihren Fokus im Auge behalten – man kann sein eigenes Leben auf durchaus ziemlich unterschiedliche Weise formulieren, je nachdem, was man damit erreichen möchte. Bewerben Sie sich für eine Promotionsstelle an der Uni, sollten Sie natürlich den Eindruck erwecken, Sie hätten von Kindesbeinen an wenig anderes im Kopf gehabt, als eines Tages Wissenschaftler zu werden  Bewerben Sie sich aber als Consultant bei einem Pharmaunternehmen, sollte klar werden, daß Sie schon immer ein Leadertyp waren, der wußte, wo's langging und seine Ausbildung darauf ausrichtete.
REIHENFOLGE
Längst hat sich das amerikanische Format durchgesetzt – also: keine Eltern, keine Berufe der Eltern, keine Geburtsdaten der Eltern, keine Geschwister. Und nicht mit dem Gymnasium anfangen, sondern aufhören – und auch das nur sehr kurz und knapp (und ohne Name der Schulen) zusammenfassen, weil das nun wirklich niemanden interessiert. Ausnahme: Sie haben z.B. ein Jahr in den USA verbracht. Denn damit deuten Sie an, daß Sie vermutlich wesentlich besser Englisch sprechen als andere. Das Wichtigste – nämlich das was Sie zur Zeit machen – kommt also an erster Stelle.
UMFELD
Eine interessante, aber durchaus nicht ungewöhnliche Erkenntnis ist, daß die Unternehmen, die eine Stelle ausschreiben oftmals selbst nur eine ungefähre Ahnung davon haben, wen oder was sie eigentlich suchen, zumal wenn die Ausschreibung und Administration der Stellenanzeige – wie ja oft üblich – von einer Kommunikationsagentur übernommen wird, die naturgemäß weniger in der Materie ist als das Unternehmen selbst. Daher sollten Sie bei Ihrem Lebenslauf durchaus auch solche Kenntnisse und Erfahrungen mit aufnehmen, die im engeren Umfeld der ausgeschriebenen Stelle liegen – das "Bücherei"-Prinzip: die guten Bücher stehen oft direkt neben denen, die man eigentlich gesucht hat.
WAHRHEIT
Bleiben Sie bei allem was Sie formulieren in jedem Fall immer bei der Wahrheit – ohne sich zu klein oder zu groß zu machen. Einen veröffentlichten Aufsatz in einer juristischen Zeitschrift zum Beispiel kann man als "Gehversuche für einen kleinen Verlag im Breisgau" formulieren, als "zahllose schriftstellerische Tätigkeiten, die in der Fachpresse lobende Anerkennung und Zitierungen nach sich zogen" – oder eben irgendwo in der Mitte. (Man muß ja nicht soweit gehen wie die junge Absolventin, die bei jedem ihrer unendlichen Hilfsjobs à la Briefezukleben jeweils dazusetzte, zu wieviel Prozent sie nach ihrer Einschätzung mit ihrer Arbeit zum Jahresgewinnvolumen des Unternehmens beigetragen hatte.)
DATEIFORMATE
In jedem Fall alles kleiner als 600 KB:
 
DOC (Microsoft Word): das gängigste Dateiformat weltweit. Sie können auch hier ein Foto einbetten – allerdings wird die Datei dadurch meist über die Maßen aufgebläht - daher lieber separat hochladen. Ungewöhnliche Schriften (alles außer Times New Roman, Arial, Verdana oder Courier New) dürfen Sie hierbei nicht verwenden, da die Datei bei Ihrem Adressaten höchstwahrscheinlich nicht im von Ihnen gewünschten Format angezeigt wird (auch die bei Juristen so beliebte Schrift Garamond hat nicht jeder!). Für alle Benutzer von WordPerfect oder OpenOffice: Speichern Sie Ihre Datei im DOC-Format!
 
XLS (Microsoft Excel): gut für Tabellen; für die Schriften gilt dasselbe wie für die Word-Dateien.
 
PDF (Adobe Acrobat): gut geeignetes Dateiformat; achten Sie bei der Erstellung mit Acrobat Distiller (nicht Acrobat Writer verwenden!) darauf, daß alle verwendeten Schriften eingebettet werden. Sonstige Einstellungen, die sich bewährt haben:
  • Kompatibilität: Acrobat 5.0
  • Auflösung: 300 dpi
  • Seitengröße: 21,0 cm x 29,7 cm
  • Komprimierung: a) Farb- und Graustufenbilder: Bikubische Neuberechnung 200 dpi, Komprimierung Automatisch, Qualität Mittel, b) Schwarzweißbilder: Bikubische Neuberechnung 300 dpi, Komprimierung CCITT Group 4, c) Text- und Vektorgrafiken optimieren anklicken
  • Schriften: Alle Schriftarten einbetten, Untergruppen aller eingebetteten Schriften unter 99%

5

Sonstige Kenntnisse
Alles was nicht schon vorher genannt wurde, z.B. Ihre Erfahrung als Autor für die Fachpresse, das Buch, das Sie geschrieben haben, Ihre Seminare, die Sie im Winter besuchen oder halten, Ihre besonderen Computerkenntnisse usw.

6

Persönliche Interessen / Hobbies
Nennen Sie nur solche Interessen, die in den Ohren Ihres Adressaten gut klingen. Auch ungewöhnliche sind erlaubt, solange sie nicht mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten. Also: "Drachenfliegen" ist ok, "Abtanzen" nicht.

7

Anschreiben zur Bewerbung
Hier sollten Sie einen kurzen "Cover Letter" formulieren. Achten Sie dabei insbesondere auf folgende Aspekte:
ZIELGERICHTETHEIT
Schreiben Sie punktgenau auf Anzeige oder für die Stelle oder Firma, für die Sie sich bewerben.
BODENHAFTUNG
Vermeiden Sie Schmeicheleien oder schmierige Lobpreisungen der Firma in der Richtung von: "Schon immer wollte ich in Ihrem Unternehmen, das zu den wichtigsten und erfolgreichsten in der Branche zählt" – die Leute wissen selbst am besten, wer sie sind und brauchen es nicht von Ihnen erzählt zu bekommen.
LÄNGE
Schreiben Sie hier keinen Roman, sondern nur ein paar Sätze bzw. ein oder zwei Absätze.
FORM
Wiederholen Sie nicht alles, was Sie gerade eben ausgefüllt haben (vor allem nicht Ihren Lebenslauf), sondern fassen Sie es kurz zusammen und stellen Sie es in einen stringenten Zusammenhang.
ANLASS
Besonders wichtig: Erklären Sie kurz, warum Sie sich gerade beim Unternehmen XYZ (v.a. bei Initiativbewerbungen) und auf die konkrete ausgeschriebene Stelle hin bewerben (die Amerikaner nennen das die "rationale", die Franzosen die "motivation").
ANREDE
Erste Zeile: "Sehr geehrte Damen und Herren," oder, falls Sie den Namen wissen, "Sehr geehrte(r) Frau/Herr XYZ,"
GRUSSFORM
Schlußzeile immer "Mit freundlichen Grüßen" und Absatz - ohne ! oder , Kein "Mit freundlichem Gruß!" oder "Schöne Grüße".
RECHTSCHREIBUNG
Unbedingt auf richtige Rechtschreibung achten (alte oder neue ist dabei ziemlich egal); beliebte Fehler sind z.B. Wörter wie "Vorraussetzung" (statt "Voraussetzung") oder "Praktikas" (statt "Praktika") und die amerikanische Art, Bindewörter auseinanderzuschreiben (falsch: "Praktikums Stelle" richtig: "Praktikumsstelle").
STIL
Lieber mehrere kurze Sätze als ein verschachtelter.
INTERPUNKTION
Keine Ausrufezeichen, VERSALIEN oder Auszeichnungen wie Kursivsetzungen.
SPRACHE
Keine Umgangsprache, kein salopper Umgangston. Auch wenn die tägliche Internet-Korrespondenz dazu verführt.
AKTIVE FORM
Machen Sie klare auf Sie selbst bezogene Aussagen.
DER RICHTIGE KONJUNKTIV
Der Konjunktiv I ist vorherrschend in schriftlichen Texten. Vermeiden Sie umgangssprachliche Formulierungen mit "würde(n)".

Ausnahme: In Höflichkeitsformen ist es üblicher den Konjunktiv II mit "würde(n)" zu verwenden ("ich würde mich freuen, ..." statt "ich freue mich, ..." oder gar "ich freute mich, ...").
ERLÄUTERUNGEN
Hier ist auch der Platz für mögliche kurze Erklärungen, falls Ihr Lebenslauf Lücken oder sonstige "Makel" aufweist, die möglicherweise unangenehm auffallen könnten. (Spätestens im persönlichen Gespräch werden diese "Makel" angesprochen werden!) Oder falls Sie zwar die nötige Praxiserfahrung nicht haben, dafür aber als freier Journalist gearbeitet haben – was ja durchaus mehr wert sein kann als eine versiebte Note im Bayerischen Wasserrecht. Diese Offensive ist aber nur dann opportun, wenn Sie dabei nicht mit sich selbst ins Gericht gehen, sondern wenn sie gewissermaßen als Angebot verstanden wird, mit Ihrem potentiellen Auftraggeber über diese "Makel" zu sprechen.
GELD
Keine Gehaltsvorstellungen nennen.
TERMINE
Keine eigenen Terminvorschläge für ein Treffen – außer Sie sind demnächst für drei Monate in den USA.
LESEN
Bevor Sie's abschicken: Nochmal daraufhin durchlesen, wie alles bei Ihnen ankommen würde, wenn die Rollen vertauscht wären.
INDIVIDUELL
Wichtig: Vermeiden Sie den Eindruck einer "Postwurfsendung" – die Gefahr ist gerade bei Initiativbewerbungen besonders groß. Entsteht bei Ihrem Adressaten das Gefühl, er sei austauschbar, können Sie sich die gesamte Mühe von vornherein sparen. Flechten Sie also unbedingt einige Formulierungen ein (z.B. den Firmennamen oder eindeutige Assoziationen), die klar machen, daß Sie wissen, bei wem Sie sich hier eigentlich bewerben. Es geht dabei ja nicht gerade um eine Kleinigkeit, sondern um nicht weniger als Ihre gut bezahlte Arbeitsstelle. Im Grunde ist es wie beim Wein: Nicht die Menge macht's, sondern die Qualität. [2004]
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