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Tutorium:
Poster-Illustration
à la "New Yorker"
Über
den großen Teich hinaus
||| Oliver Weiss
Kommt Ihnen dieses Motiv bekannt vor? Der Illustrator dokumentiert step by step, wie er seine eigene Version des berühmten „New Yorker“-Posters mit Photoshop erstellt. |
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Infinity and Beyond: Does this image look familiar? Here is a walkthrough of how the illustrator made his own version of the famous cover from “The New Yorker” magazine with Photoshop. |
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icherlich haben Sie die weltberühmte Illustration „View of the World from 9th Avenue“ des 1999 gestorbenen amerikanischen Cartoonisten Saul Steinberg schon einmal gesehen, die ursprünglich 1976 als Titelbild die Zeitschrift „The New Yorker“ zierte.
Vielleicht kennen Sie aber auch nur die eine oder andere liebevolle Imitation? Denn jeder bessere Posterladen vertreibt längst seine eigene Version von Steinbergs verschmitztem Blick auf die eigene Stadt, die augenzwinkernd als
Nabel und Angelpunkt der restlichen Welt karikiert wird.
1) Die
Idee
Gerade wegen des Wiedererkennungseffekts stürzen sich Touristen auf die Postermotive mit Überschriften wie „The Münchner“, „The Berliner“ oder „The Praguer“.
Aber auch für Illustratoren bietet sich eine nachempfundene Version des New Yorker Motivs für die eine oder andere Auftragsarbeit an. Im folgenden Beispiel wollen wir eine Version zum Thema „Gesundheitswesen in Deutschland“ entwickeln, die ursprünglich als Titelbild der englischsprachigen Zeitschrift einer Krankenkasse entstanden ist. Überschrift der Illustration: „The German Health Care System“.
2) Das Konzept
Die Illustration, so lautet der Auftrag, soll das berühmteste deutsche Krankenhaus, die Berliner Charité, ins Visier nehmen. Daraus ergibt sich die Logik des Bildaufbaus fast von alleine: Wir beginnen bei dem Gebäude der Charité, zeichnen einige weitere Häuser und Wahrzeichen Berlins – nicht notwendigerweise in geografisch korrekter Anordnung, sondern gerade so, wie es am plakativsten wirkt – und bewegen uns anschließend weltumspannend über die Grenzen Berlins hinaus nach Frankreich, Großbritannien, Afrika, den USA und so weiter.
3) Die Skizze
Wie bei allen Illustrationen, steht am Anfang die Skizze. In vorliegendem Beispiel arbeite ich mit Transparentpapier, um mich leichter an der Originalvorlage orientieren zu können.

Die Gradwanderung (auch in urheberrechtlicher Hinsicht, denn es soll ja ein Zitat sein und kein Plagiat) besteht hier natürlich darin, nicht einfach Steinbergs Original abzukupfern, sondern wesentliche Elemente daraus gezielt und mit Blick auf die Aufgabenstellung bezogen nachzuempfinden.
4) Im Großformat entwickeln
Die Bleistiftskizze wird anschließend hochauflösend eingescannt (600 dpi) und in vergrößerter Darstellung wieder ausgedruckt.
Damit man auch filigrane Einzelheiten der Zeichnung im fertigen Bild erkennt, möchte ich möglichst großformatig arbeiten.
Da ich aber leider nur mit einem A4-Drucker arbeite, drucke ich die eingescannte Skizze auf insgesamt drei A4-Seiten aus (unter den Druckoptionen im „Datei“-Menü „Auf Mediengröße skalieren“ wählen und in der Palette „Position“ variable Werte für „Oben“ eingeben). Damit entsteht jeweils eine ausgedruckte A4-Seite für den oberen, den mittleren und den unteren Teil der Skizze.
5) Die Reinzeichnung
Diese drei Vorlagen werden anschließend mit Tuschestift und Transparentpapier ins Reine gezeichnet – durchaus mit Überlappungen. Die Reinzeichnungen kommen wieder in den Scanner und werden mit jeweils 300 dpi im Schwarzweißmodus (2 Bit) digitalisiert und anschließend in Photoshop geöffnet.

Dort setze ich sie mithilfe der Ebenenfunktion (Option „Multiplizieren“) zu einem einzigen großen Bild zusammen (in der nebenstehenden Abbildung habe ich die Überlappung zweier Ebenen durch die Abschwächung der einen Ebene kenntlich gemacht). Dieses Bild speichere ich als auf eine Ebene reduzierte Fassung im TIF-Format ab.
6) Der „Tusche“-Effekt
Um den Eindruck zu erwecken, die Zeichnung sei mit leicht wässriger Tusche entstanden, setze ich den Schwarzanteil mit dem Schieber „Deckkraft“ in der Ebenenpalette auf 90 Prozent.
Außerdem verwandle ich das Schwarz in einen Braunton, indem ich im Menüpunkt „Bild“ unter „Einstellen > Farbton/Sättigung“ die Option „kolorieren“ markiere und die Werte 13, 50 und 15 für die Schieber Farbton, Sättigung und Helligkeit eingebe.

Schließlich wische ich noch vereinzelt mit dem Airbrush-Radiergummi über das Bild (Druckstufe etwa 15 Prozent), um den Strich stellenweise etwas abzudämpfen. Die Linienführung wird dadurch abwechslungsreicher und die Gesamtwirkung lebhafter.
7) Schatten und Struktur
Jetzt wird das Bild ausgemalt. Steinberg hatte für sein Original mit Buntstiften gearbeitet.
Mit digitalen Methoden geht es aber auch ohne: Ich drucke das Schwarzweißbild ganzflächig im A4-Format aus, lege wieder ein Transparentpapier darüber und zeichne jetzt mit einem Bleistift Schatten und Farbflächen ein – wohlgemerkt nur in Schwarz, also ohne Buntstifte.

Das Ergebnis wird wieder hochauflösend im Graustufenmodus eingescannt und in Photoshop paßgenau als neue Ebene im Modus „Multiplizieren“ über die Reinzeichnungsebene gelegt.
8) Die Kolorierung
Die Farbgebung erfolgt digital. Dazu ziehe ich im Menü „Bild > Einstellen > Kanalmixer“ den Regler für die Option „Konstante“ bei voreingestelltem roten Ausgabekanal (das entspricht der Voreinstellung) auf 100 Prozent.
Damit bekommen die Bleistiftschraffuren einen satten Rotstich, der anschließend stückweise farblich verändert werden kann, indem ich die einzufärbenden Bereiche jeweils mit dem Lasso selektiere und dann mit den Einstellungen bei „Farbton/Sättigung“ jongliere. Die Schatten der Gebäude, Menschen und Autos setze ich auf Grau („Bild > Einstellen > Entfärben“).
 
Die gesamte Ebene wird im Anschluß mit „Bild > Einstellen > Helligkeit/Kontrast“ noch aufgehellt (Helligkeit um etwa 20 Prozent erhöhen), um die Farbgebung etwas abzuschwächen.
9) Der Text
Zuletzt wird noch der Schriftzug „The German Health Care System“ bearbeitet. Da mir der Font „New Yorker“, den ich lizenzfrei im Internet gefunden habe, nur für PC vorliegt, erstelle ich eine Textdatei in Corel Draw unter Windows, die ich in Kurven umwandle und als EPS-Datei exportiere, bevor ich sie auf meinem Mac als weitere Ebene unter Photoshop integriere (Ebenenoption „Multiplizieren“).

Das Endergebnis
Das Bild ist fertig; es muß nur noch auf eine einzige Ebene reduziert und für den Druck in den Vierfarbmodus CMYK umgewandelt werden. Lustigerweise ist das Bild ziemlich bunt geworden, obwohl wir nur mit Schwarzweiß-Dateien gearbeitet haben.
[2004]



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NEWS:
12/07 >
"The Berliner" for Axel Springer
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Check out my version of this motif I have created for
DER SPIEGEL
More
variations |
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I have been commissioned by the Euro RSCG design agency to design this year's
Christmas card for
Axel Springer publishers. The image was requested to be in the style of Saul
Steinberg's famous 1976 cover illustration "View of the World from 9th Ave" for
"The New Yorker" magazine. Labelled "The
Berliner", my hand drawing sees the famous Springer office
building and incorporates a winterscape of landmarks from the city of
Berlin, such as the Brandenburg Gate, the Alex Tower, the Ku'damm, the
Gedächtniskirche, the KaDeWe, the Galeries Lafayettes, etc.
I have a history of creating designs of this kind for
DER SPIEGEL, and a major health insurance company. Further, I have authored an
article for Macwelt
on how it's done. With more than 280 offices wordwide, Euro RSCG ist the
world's largest design agency. Axel Springer is Germany’s largest publishing
house and one of the leading international media enterprises. On a sidenote,
Springer was actually one of my very first clients back in the nineties when I
used to be a regular cartoonist for DIE WELT for many years, Germany's number three daily paper. – Technique:
ink, colored pencils.
>MORE ARCHITECTURE ILLUSTRATIONS
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