|

Web
Design:
Webdesign für Ärzte
Der
Arzt im Web: Strategien für die Online-Präsenz
||| Oliver Weiss
Zwar dürfen Ärzte bekanntlich
nur eingeschränkt für sich
werben, gleichgültig in welchem Medium. Für den Auftritt der
Arztpraxis im Internet sind jedoch mittlerweile einige Hürden
gefallen. Wer seine Arztpraxis im Internet vorstellen möchte, sollte einige Grundregeln beherzigen. |
 |
| Web
Design for Doctors: So you're a doctor? If you are planning your web site you may find this article useful. |
| E |
 |
in bisschen Text, bunte Bilder und ein wenig Programmierung: Fertig ist die Website? – Weit gefehlt: Wer aus der Masse der häufig schlecht gemachten Ärzte-Websites herausstechen möchte, muss mehr investieren. Dabei geht es weniger ums Geld – ein ordentlicher
Web-Auftritt muss nicht viel kosten – als darum, sich mit den Zielen und der „richtigen“ Strategie
auseinanderzusetzen.
Auch wenn preiswerte oder kostenfreie Tools dazu verführen, alles selbst zu machen, sollte man darüber nachdenken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Wer am falschen Ende spart, wird auf seine Präsentation wenig Rückmeldung ernten: Lieber keine
Website als eine schlechte. Hierzu einige Tips.
Mehr als bunte Bilder
Warum will man eigentlich ins Netz? Eine Antwort auf diese Frage ist zuallererst erforderlich, bevor man sich auf die eigene Praxis-Website einlässt.
|
Eine Website ist eine moderne und lebendige Form der Selbst-darstellung.
|
Eine
Website ist eine moderne und lebendige Form der Selbstdarstellung mit drei Hauptzielen: Informationsvermittlung (Adressen, Angaben zu Personen, Anfahrtsplan), Werbung in eigener Sache (Vorsicht:
ärztliche Standesbeschränkungen) und Kommunikation (Patientenkontakt). Sie sollte als offenes System konzipiert werden, das strukturelle, inhaltliche und technische Erweiterungen ohne großen Aufwand erlaubt.
Eine gut gemachte
Website überzeugt durch Übersichtlichkeit und intuitive, einfache Navigation. Sie muss ansprechend gestaltet sein und den Interessenten durch die „richtige Anmutung“ für sich gewinnen, indem Inhalt und Design aufeinander abgestimmt sind und dem beabsichtigten Image entsprechen („Corporate Identity“). Nicht zuletzt sollte das
Web-Angebot informativ und aktuell sein. Dabei sind weder die Seriosität von Angebot und Auftritt aus den Augen zu verlieren noch die Zielgruppe.
"Website" versus
"Homepage"
Was für ein Internet-Auftritt ist beabsichtigt – eine Art Online-Visitenkarte im Netz mit zwei, drei Angaben zur Person und zur Praxis, Adresse und Wegbeschreibung? Oder eine mehrere Einzelseiten umfassende Selbstdarstellung, die dem Anwender zusätzliche Information bietet?
So können etwa ausgewählte Publikationen, die von allgemeinem Interesse sind, eingestellt werden oder eine Rubrik, in der Informationen über Neuentwicklungen aus medizinischen Bereichen mitgeteilt werden. Ein guter
Tip ist es, sich bei der Konzeption der Site immer wieder in die Lage des Nutzers zu versetzen und die Entwürfe von Außenstehenden überprüfen zu lassen. Allzu groß ist sonst die Gefahr, dass man sich verrennt und den Adressaten und dessen Bedürfnisse aus dem Blick verliert.
Webdesign ist nicht „Grafik-Design“ – bei einer Website geht es um weit mehr; ein treffender Begriff ist „Website Engineering“. Ein
Website-Engineering-Projekt gliedert sich in folgende Phasen (für den Fall, dass der Online-Auftritt in Zusammenarbeit mit einem Designer oder einer Agentur realisiert wird):
- Projekt-Design:
umfasst das Projekt-Management (Plichtenheft mit Festlegung von Zielsetzung und Projektplanung, Kostenschätzung, Vertrag);
- Informations-Design:
Konzeption und Festlegung von Inhalt und Struktur – das Angebot muss informativ, aktuell, nutzbringend und übersichtlich sowie intuitiv und einfach zu navigieren sein;
- Grafik-Design:
Die Realisierung beinhaltet Layout, Grafik und Illustration, Bildbearbeitung, Typografie; die grafische Darstellung muss Inhalt und Struktur einfangen und ansprechend vermitteln;
- Software-Design:
Darunter fällt die technische Umsetzung von Struktur und Grafik-Design einer
Website (HTML-Kodierung und Programmierung unter Berücksichtigung der technischen Gegebenheiten des Internets); die erstellte Software muss zuverlässig funktionieren und effizient programmiert sein.
Selten vereint jemand sämtliche erforderlichen Fähigkeiten in einer Person; tendenziell sollte man daher eher nach einer kleineren
Web-Design-Agentur Ausschau halten. Bei der Suche nach einem Web-Designer helfen die gelben Seiten meist wenig. Besser ist es, bei den
Websites von Kollegen vorbeizusurfen oder andere gelungene Internet-Auftritte unter die Lupe zu nehmen. Die meisten Präsentationen enthalten Angaben zum Urheber, bei dem ein Angebot eingeholt werden kann.
Wie arbeitet man mit einer Webagentur zusammen? Hier sollte man eine Vertrauensperson finden und gemeinsam im Gespräch die mit der
Website angestrebten Ziele ermitteln. Man sollte sich Beispiele und Strategiemodelle zeigen lassen. Wichtig ist es, in ständigem Kontakt zu bleiben. Ein einmaliges „Briefing“, womöglich nur am Telefon, reicht nicht aus. Je nach Lösung ist mit einem Stundensatz von 100 bis 300 Mark zu rechnen; eine mittelgroße
Website kann sich schnell auf einige Tausend Mark belaufen.
Wenn die Website fertig ist . . .
Ein grobes Missverständnis ist es zu glauben, die Website sei fertig, wenn sie online ist. Denn die eigentliche Arbeit beginnt erst: Die
Website muss ständig aktuell sein und außerdem immer wieder mit Neuem aufwarten.
|
Die Website ist nicht fertig, wenn sie online ist.
|
Die Frage der Pflege (das „Updating“) sollte mit dem Designer abgesprochen werden. Dabei empfiehlt es sich, darauf zu achten, dass man sich nicht abhängig von diesem macht. Über entsprechende Entwicklungswerkzeuge kann die Site später selbst betreut oder an einen anderen Designer ausgelagert werden. Daher sollte auch die Übertragung von Urheber- und Nutzungsrechten geklärt sein.
Wer seine Website selbst erstellen will, sollte wissen, worauf er sich einlässt. So genannte HTML-Editoren, mit denen der Code einer
Website grafisch unterstützt und halbwegs automatisch erzeugt werden kann, gibt es viele. Beispiele sind Microsofts Frontpage (circa 350 DM), Macromedia Dreamweaver (circa 400 DM) und Adobes GoLive (rund 550 DM). Ein günstiger Provider ist beispielsweise
Puretec.
Werbeverbot
Die Selbstdarstellung von Ärzten ist aus wettbewerbsrechtlichen Gründen durch die Berufsordnung beschränkt. Mit großer Mehrheit hat jedoch der letzte Ärztetag in Köln dem Antrag des Vorstandes der Bundesärztekammer zur Weiterentwicklung der Berufsordnung zugestimmt. Nach wie vor wird darin am Verbot berufswidriger Werbung festgehalten, doch dürfen die Arzte stärker als bisher auf ihr Leistungsspektrum hinweisen, um ihr Recht auf freie Berufsausübung wahrnehmen zu können. Das rigide Werbeverbot wurde dabei zugunsten des Anspruchs der Patienten auf sachliche Information gelockert.
Fest steht, dass man auf keinen Fall sagen darf: „Ich bin der Arzt, den Sie suchen, kommen Sie zu mir!“ Man ist gut damit beraten, sozusagen indirekt auf sich aufmerksam zu machen: durch einen professionellen Auftritt (Struktur, Design) und informative Inhalte (sachliche Hinweise, Publikationen). So entgeht man dem Marktschreierischen – und kommt obendrein vermutlich auch bei potenziellen oder Stamm-Patienten besser an. Im Zweifelsfall sollte man das
Web-Angebot schon während der Planungsphase, spätestens aber vor der Online-Setzung, von der Ärztekammer oder einem Rechtsanwalt prüfen lassen.
[2000]
 |