Legal Alien:
New York And Back

Shattering my American Dream: A Green Card gave me the chance to start a new life in the United States—and seemed to fulfill a childhood dream. In my new book, Im Land der begrenzten Möglichkeiten: Einmal New York und zurück (Legal Alien: New York and Back), I share the story of that journey. I arrived in New York City full of hope, only to collide with a reality that bore little resemblance to what I had imagined.

Penguin Random House

From harrowing living conditions to a culture where friendliness is often non-committal and relationships are mostly transactional, my fascination crumbled day by day. As the dream gave way to disillusionment and after a long internal struggle, I made a radical choice: I left it all behind, and returned to Europe.

Written with laconic wit and at times hair-raising humor, this is the story of a reality that failed to live up to the hype—an honest, piercing portrait of the American soul. Published by Penguin Random House to coincide with the 250th anniversary of the United States, the book includes several black-and-white illustrations.

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My trailer for the book (with a short original piano piece).
My Cover Art for “Im Land der begrenzten Möglichkeiten”


NEW YORK, NEW YORK

Als Teenager drückte sich meine Mutter die Nase am Fenster der Bäckerei gegenüber dem Internat platt. Mit jedem Besuch wurde die Sehnsucht nach den Mohnschnitten größer. Was für eine Köstlichkeit das sein musste! Doch als ihr Onkel sie schließlich einlud, kam es, wie es kommen musste: Die Wirklichkeit hielt dem Vergleich mit der Fantasie nicht stand.

Wer es bequem mag, bleibt am besten zu Hause. Wer zu Hause bleibt, dessen Horizont bleibt beschränkt. An dieser Ordnung ist nicht zu rütteln. Seit ich Mitte der Neunzigerjahre für mehrere Monate in New York gewesen war, hatte sich mein Entschluss verfestigt, irgendwann einmal dort zu wohnen.

Fast zwei Jahrzehnte später, an einem kalten Februartag, hielt ich endlich die Green Card in Händen – den Ausweis zu einem Leben in den Vereinigten Staaten. Doch schnell musste ich mir eingestehen, dass mir meine lebenslange Leidenschaft für Amerika über die Zeit klammheimlich abhandengekommen war, ohne dass ich es mitbekommen hatte.

Mit dem bloßen Auge wirken die Alte und Neue Welt zum Verwechseln ähnlich. Man trägt blaue Jeans, hört die gleiche Musik und schaut dieselben Filme. Spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg sind die USA zur Leitkultur für große Teile der Welt und speziell für Deutschland geworden.


NAH UND FERN

Erst wenn man beide Kontinente unters Mikroskop legt, fällt einem auf, dass sie weit weniger gemeinsam haben, als man glaubte. So wie sich Bree aus Brooklyn darüber wundert, dass die Toiletten in sanierten Berliner Altbauwohnungen aus der Wand ragen und Kleiderschränke nicht eingebaut sind, mag es Boris aus Berlin aufstoßen, dass New Yorker Duschköpfe fest in der Wand verschraubt sind und das Leitungswasser nach Chlor schmeckt. Andere Länder, andere Sitten – darin liegt bekanntlich der Reiz des Reisens.

Schwerer wiegen die Brüche in Kultur und Gesellschaft: ein tief verwurzelter Rassismus, der die USA seit ihren Gründertagen begleitet; der Raubtierkapitalismus und die daraus resultierende soziale Ungleichheit; ein Pragmatismus, der nur die Farben Schwarz und Weiß zu kennen scheint – bis hin zu den Auswüchsen von Zero Tolerance und Cancel Culture.

Hinzu kommen die politische Zerrissenheit, ein beunruhigender Drang zur nicht nur moralischen Weltherrschaft und eine Selbstgefälligkeit, die keinen Zweifel erlaubt. Ausgerechnet das land of the free liebäugelt heute offen mit dem Autoritarismus. Es ist ein Flirt auf dem Balkongeländer. Amerikas Demokratie hat das Gleichgewicht bereits verloren, und der Aufprall steht uns allen noch bevor.


JETZT ODER NIE

Lebensträume gehen mit der Zeit, als wären sie Fernzüge. Doch je länger man mitfährt, desto öfter ertappt man sich beim nervösen Abgleich mit dem Fahrplan. Im Amerikanischen nennt man das reality check. Ich hätte es mir nie verziehen, das Abenteuer nicht wenigstens gewagt zu haben. Doch das ständige Pendeln zwischen New York und Berlin zwang mich zum Vergleich – den Berlin am Ende leichtfüßig gewann. Es war ein Sieg nach Punkten.

Die Arbeit an diesem Buch zog sich über Jahre. Währenddessen radikalisierten sich die politischen Entwicklungen am rechten Rand. In Trumps zweiter Amtszeit überschlagen sich die Ereignisse in einem Tempo, das den gesunden Menschenverstand aus der Kurve trägt. Die Gegenwart drohte meine kleine Einwanderungsgeschichte zu überholen.

Warum sollte heute noch jemand freiwillig in die USA auswandern? Und doch gab es diese Zeit – sie kommt mir nur sehr fern vor. Davon erzählt dieses Buch. „Jetzt oder nie“, sagte ich mir. Und so ist es schließlich doch fertig geworden – wohl wissend, dass es unvollständig bleiben muss.