Art as a Reflection of Life
The Diverse World of Oliver Weiss
FEATURE IN ESELSOHR, A CHILDREN’S AND YOUNG ADULT LITERATURE MAGAZINE (2/26)
>Kunst sollte das Leben abbilden
With The Öblings Are Coming!, Oliver Weiss won the Meefisch in 2023—an award presented every two years for previously unpublished picture book projects. For the Berlin-based artist, the prize served as his entry into the children’s book scene.
Oliver Weiss originally trained as an engineer. During his studies at the University of Technology in Munich, however, he supported himself by drawing for major daily newspapers and discovered his true passion. He quickly found international success as an illustrator, designer, and author for adults. After spending several years in New York, he now lives primarily in Berlin.
Oliver says he entered the Meefisch competition mostly for fun and never expected to win first prize. Yet the award fulfilled a long-held wish. “I always wanted to make children’s books, but I never had the time because I was constantly busy with other projects. Honestly, for a long time I didn’t feel good enough.”
“Of course I was thrilled about the award, but if a manuscript doesn’t fit a publisher’s program, even a prize doesn’t help much. International competition in the children’s book market is huge, and my collages aren’t exactly mainstream.”
From Newspapers to Children’s Books: A Return to Analog

The Öblings Are Coming! was published in autumn of 2025 by Fischer Sauerländer. At the center of this turbulent, humorous story is a family of pigs who fall into a hectic overdrive when the Öblings announce their visit. Parents and children scrub, clean, cook, and renovate, even though no one knows who the Öblings actually are.
“Everyone knows the stress that visitors can cause. In a picture book, of course, this is pushed to the extreme,” says Oliver. His colorful collages vividly capture the unbridled chaos. The wide variety of materials he uses also contributes to this effect. “I work with found books, old photos and magazines, postcards, and fragments of posters torn off utility boxes by the wind,” he explains.
For a long time, Oliver worked exclusively digitally. During the COVID pandemic, he returned to analog techniques. “At first, using paper and glue again felt unfamiliar. Once something has dried, you can’t change it anymore. But that’s exactly what I like about it: allowing for mistakes and giving space to chance.”

Since receiving the Meefisch Prize, more than a dozen additional children’s book projects have been published or are in preparation. Among them is the quiet, warm picture book Two Red Fireflies, released last year by Vermes. “The illustrations were created against a pitch-black background, which the publisher realized beautifully in print,” Oliver emphasizes.
He had the idea years earlier while traveling in Italy. “In Lucca, I saw fireflies for the first time. They danced in the tall grass around the city walls on a warm summer evening. That image stayed with me when I developed the story of the two fireflies who find each other in the dark.”
Oliver often finds inspiration in such small observations. At his desk at home, he develops text and images in parallel. “Not necessarily knowing how everything will turn out is far more exciting than illustrating a finished story.”
Honest Feedback and Constant Change
He values working for children because of their direct reactions. “Children are mercilessly honest—you can’t fool them. If they don’t like a story, you’ve lost. And if they do like something, they really like it,” he says. His aim is to make books he himself would have loved as a child. Among his key influences are Leo Lionni, Eric Carle, Erich Kästner, Walter Trier, and Tove Jansson. “Without Tove Jansson, I probably would never have become an illustrator,” he recalls. “I once wrote to her, and to my surprise, she replied with a long handwritten letter.”
Versatility is a central feature of Oliver’s work. In New York, he met many colleagues who committed early on to a single, recognizable style. “That would be unimaginable for me. I’ve researched bonobos, run a legal online magazine, developed websites, and worked as an author, graphic designer, and expert consultant. It would be strange if all of that had no influence on my work. Art shouldn’t remain static—it should reflect life, and life is constantly changing.”
(Written by Margit Lesemann, published in: Eselsohr 02/2026)
Kunst sollte das Leben abbilden
Die vielfältige Kunst von Oliver Weiss
Mit Die Öblings kommen! gewann Oliver Weiss 2023 den Meefisch, einen Preis, den die Stadt Marktheidenfeld alle zwei Jahre für bisher unveröffentlichte Bilderbuchprojekte vergibt. Für den Berliner Künstler wurde die Auszeichnung zum Einstieg in die Kinderbuchszene.
Eigentlich ist Oliver Weiss Diplom-Ingenieur. Doch bereits während seines Studiums an der TU München, als er sich mit ersten Zeichnungen für große Tageszeitungen über Wasser hielt, entdeckte er seine wahre Leidenschaft. Er wurde schnell als Illustrator, Designer und Autor für Erwachsene international erfolgreich. Nach einigen Jahren in New York lebt er heute überwiegend in Berlin.
An der Meefisch-Ausschreibung habe er sich eher aus Spaß beteiligt und nie im Leben mit dem ersten Preis gerechnet, erzählt Oliver. Doch damit erfüllte sich ein lang gehegter Wunsch. „Ich wollte schon immer Kinderbücher machen, hatte aber keine Zeit, weil ich immer mit anderen Projekten eingedeckt war. Ehrlich gesagt fühlte ich mich auch lange nicht gut genug. Ich habe mich natürlich sehr über die Auszeichnung gefreut, aber wenn ein vorgeschlagenes Manuskript nicht ins Verlagsprogramm passt, hilft auch eine Auszeichnung wenig. Die internationale Konkurrenz im Kinderbuchbereich ist riesig und meine Collagen sind nicht unbedingt Mainstream.“
Von der Tageszeitung zum Kinderbuch: Die Rückkehr zum Analogen
Die Öblings kommen! erschien im Herbst 2025 bei Fischer Sauerländer. Im Mittelpunkt der turbulenten, witzigen Geschichte steht eine Schweinefamilie, die in hektischen Aktionismus verfällt, als die Öblings am Telefon ihren Besuch ankündigen. Eltern und Kinder waschen, putzen, kochen und renovieren, obwohl niemand weiß, wer diese Öblings eigentlich sind.
„Jeder kennt den Stress, den Besuch auslösen kann. Im Bilderbuch wird das natürlich auf die Spitze getrieben“, sagt Oliver. Seine farbenfrohen Collagen setzen das unbändige Chaos wunderbar in Szene. Dazu trägt auch die Vielfalt der verwendeten Materialien bei. „Ich arbeite mit gefundenen Büchern, alten Fotos und Zeitschriften, Postkarten und Plakatfragmenten, die der Wind von Stromkästen gerissen hat“, erklärt er.
Lange hat er ausschließlich digital gearbeitet. Während der Corona-Pandemie kehrte er zur analogen Technik zurück: „Anfangs war das Verwenden von Papier und Klebstoff wieder ungewohnt. Sobald etwas getrocknet ist, lässt sich ja nichts mehr verändern. Aber genau das gefällt mir daran: Fehler zuzulassen und dem Zufall Raum zu geben.“
Seit der Meefisch-Auszeichnung sind mehr als ein Dutzend weitere Kinderbuchprojekte erschienen oder in Vorbereitung. Dazu zählt auch das leise, warme Bilderbuch Zwei rote Glühwürmchen, das im vergangenen Jahr bei Vermes herausgekommen ist. „Die Illustrationen sind vor einem pechschwarzen Hintergrund entstanden, den der Verlag drucktechnisch fantastisch umgesetzt hat“, betont Oliver Weiss.
Die Idee dazu hatte er vor Jahren bei einer Italienreise. „In Lucca habe ich meine ersten Glühwürmchen gesehen. Sie tanzten an einem warmen Sommerabend im meterhohen Gras rund um die Stadtmauern. Dieses Bild hatte ich im Kopf, als ich die Geschichte der zwei Glühwürmchen entwickelte, die sich in der Dunkelheit finden.“
Inspiration findet Oliver häufig in solch kleinen Beobachtungen. Zu Hause am Arbeitstisch lässt er parallel Text und Bilder entstehen. „Nicht unbedingt zu wissen, wie alles ausgeht, ist weitaus spannender, als eine fertige Geschichte zu bebildern.“

Ehrliche Kritik und stetiger Wandel
Die Arbeit für Kinder schätzt er wegen der direkten Reaktionen. „Kinder sind gnadenlos ehrlich, man kann ihnen nichts vormachen. Gefällt ihnen eine Geschichte nicht, hat man verloren. Und wenn sie etwas mögen, dann richtig“, sagt er. Sein Anspruch sei es, Bücher zu machen, die er als Kind selbst gern gelesen hätte. Zu seinen prägenden Einflüssen zählt Oliver Leo Lionni, Eric Carle, Erich Kästner, Walter Trier und Tove Jansson. „Ohne Tove Jansson wäre ich vermutlich nie Illustrator geworden“, erinnert er sich. „Ich habe ihr einmal geschrieben; zu meiner Überraschung antwortete sie mit einem langen handgeschriebenen Brief.“
Vielseitigkeit ist ein zentrales Merkmal von Olivers Arbeiten. In New York habe er viele Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, die schon früh auf einen festen, wiedererkennbaren Stil festgelegt wurden. „Für mich wäre das unvorstellbar. Ich habe zu Bonobos geforscht, ein juristisches Online-Magazin geleitet, Websites entwickelt, als Autor, Grafikdesigner und Sachverständiger gearbeitet. Es wäre doch seltsam, wenn all das keinen Einfluss auf meine Arbeit hätte. Kunst sollte nicht statisch bleiben, sondern das Leben abbilden – und das verändert sich schließlich laufend.“
(Text: Margit Lesemann, erschienen in: Eselsohr 02/2026)





